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Erdbeben im Nepal verursachten bereits im Mittelalter schwere Katastrophen – Neuer Artikel in Science

Wolfgang Schwanghart vom Forschungsnetzwerk PROGRESS hat zusammen mit Kollegen der Uni Potsdam und weiteren Forschern einen viel beachteten Artikel im Wissensmagazin Science (Science-Express, 16.12.2015) veröffentlicht. In ihrer Arbeit untersuchten die Wissenschaftler mächtige Geröll-Ablagerungen im nepalesischen Pokhara-Tal (ca. 800m ü. NN; 200km westlich von Kathmandu). Die Region umfasst das Gebiet, welches während des katastrophalen Gorkha-Erdbebens im April 2015 am stärksten betroffen war.

Detaillierte Untersuchungen der mehrere hundert Jahre alten Sedimentablagerungen zeigen nun erstmals, dass bereits im Mittelalter (500-1000 Jahre vor heute) drei dramatische Erdbeben stattfanden, die weitreichende Umwälzungen in der Landschaft Nepals zur Folge hatten. Die Erdbebenwellen lösten Massenbewegungen aus, die Unmengen an Schutt aus dem Annapurna-Massiv über 60 Kilometer weit verlagerten. Das mobiliserte Material aus den Bergen wurde in verschiedenen Tälern Pokharas abgelagert und bildet noch heute bis zu 100 Meter hohe Geröllprofile. Vergleichbare Landschaftsveränderungen blieben bei jüngeren Erdbeben aus und verdeutlichen das enorme Zerstörungspotenzial von großen Beben in Nepal und dem Himalaya.

Obgleich die neu beschriebenen mittelalterlichen Erdbeben bereits bekannt waren, blieben deren Auswirkungen auf Landschaft und Bewohner im zentralen Himalaja lange ein Rätsel. Die Studie unter der Federführung von Wolfgang Schwanghart ist daher ein wichtiger Schritt, um mächtige Ablagerungen, wie die in Pokhara, als unabhängige Archive vergangener Erdbeben begreifen zu können. Mit sorgfältigen sedimentologischen Beschreibungen und umfangreichen Datierungen könnte man in Zukunft nicht nur den Zeitpunkt, sondern auch die Folgen historisch oder geologisch dokumentierter Starkbeben unabhängig belegen beziehungsweise besser einschätzen.

PROGRESS begleitete Wolfgang Schwanghart und seine Kollegen bei ihren Arbeiten mit einem Filmteam. Hier ist der Beitrag (Kamera: M.Langpap):

https://www.youtube.com/watch?v=JGIWllgVDi8


Text verändert nach B. Eckardt, Uni Potsdam

Link zum Artikel: http://www.sciencemag.org/content/early/2015/12/15/science.aac9865.abstract

Kontakt W. Schwanghart:
Telefon: 0331 977-5875
E-Mail: w.schwanghart@geo.uni-potsdam.de